Mit Hamburg bin ich bisher noch nicht so recht warm geworden + Vielleicht liegt es auch daran, dass die Stadt mir zwei meiner besten Freunde genommen hat, zumindest aus dem Alltag + Möglicherweise ist es ja nur Eifersucht + Und jetzt hat sich der alte Fischkopp auch noch dieses unglaublich talentierte Quartett unter den Nagel gerissen + Fotos + Ehemals Hamburg, Augsburg, Köln und Wuppertal, jetzt nur noch Hamburg + Es konnte ja nicht ewig so weitergehen + Einfach mal zwischen Tür und Angel eine der besten deutschen Debüt-Platten überhaupt veröffentlicht, mal eben über 100 Shows dazu gespielt und ganz nebenbei auch noch dazu beigetragen, dass der eine oder andere am anderen Ende der Scheibe merkt, das Musik aus Deutschland mehr sein kann als Rammstein oder die Scorpions + Das kostet Kraft + Da braucht man einen sicheren Hafen + Eine Räuberhöhle + Die heißt für Fotos nun also Hamburg + Und so einen Halt braucht man schon mal, wenn man mit einem neuen Album daherkommt, das einfach komplett anders klingt als das Debüt, und wieder in die raue See namens ‚deutsche Musiklandschaft’ sticht, in dieses Haifischbecken, wo am liebsten die eigenen Kinder verfüttert werden + Nicht die coolen Kids aus der Nachbarschaft + Nicht die Strokes, die dreimal die gleiche Platte veröffentlicht haben + Nicht die Killers, deren zweite Platte schlichtweg Müll ist und dennoch zig tausend Einheiten verkauft und auch nicht diese Beatles-Stones-Oasis-Parodie aus Schweden, denen leider immer noch keiner gesagt hat, dass der Karneval vorbei ist + Nein + Und die Editors klingen auch nicht wie Interpol + Oder Duffy wie Frau Winehouse + Nee, wenn hier jemand dreist kopiert, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, dann sind es zum Beispiel diese Jungspunde namens Fotos + Erst haben sie frech Franz Ferdinand imitiert, jetzt ist es Phoenix + Punkt + Oder einfach Schlager + Mehr Mühe gebe ich mir nicht + Ich heiße MC Rezi und schreibe für die Spex + Warum sollte ich? + Diese Band kommt doch noch nicht mal aus England + Käme sie es, wäre ihr Debüt schon jetzt ein Klassiker und ihr neues Album „Nach dem Goldrausch“ ein mutiger Schritt, der zeigt, wie frei sich Musiker machen können, wenn sie es nur wollen, auch wenn der Druck, der auf ihren Schultern lastet, unermesslich ist, eben weil sie wissen, dass ihre Messlatte über dem Weltrekord liegt + Mut und Kreativität + Jungs, was wollt ihr mehr + Damit habt ihr selbst den verehrten Strokes einiges voraus
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